DIE CHÖRE DER DOMMUSIK

Seit über 1200 Jahren erklingt im Aachener Dom das gesungene Gotteslob.

Als herausragender Herrscher des Mittelalters hat Karl der Große nicht nur die politischen Geschicke Europas gelenkt, sondern auch erheblichen Einfluss auf die Verbesserung der Bildung, die Entwicklung der Liturgie und die Verbreitung der damaligen Kirchenmusik genommen. So wurden in Karls berühmter Hofschule unter Alkuin von York die sieben Freien Künste gelehrt, zu denen, ganz wesentlich, auch die Musik zählte. Schulknaben und Klerus sangen gemeinsam in Karls Marienkirche den Cantus Romanus – den heute „gregorianisch“ genannten Choral. Im Laufe der Jahrhunderte kamen in großer stilistischer Vielfalt mehrstimmige Motetten und Messkompositionen dazu.

Ganz in dieser Tradition gestalten auch heute noch die Knaben und Herren des Aachener Domchores die feierliche Liturgie im Aachener Dom musikalisch aus. 2011 wurde vom Aachener Domkapitel der erste Mädchenchor am Aachener Dom gegründet. Beide Chöre bieten nicht nur in den Sonntagsgottesdiensten, sondern auch in regelmäßigen Konzerten und Veranstaltungen ihr hohes musikalisches Können dar. Neben diesen Chören bereichert auch ein Vokalensemble niveauvoll die Aachener Dommusik.

© Andreas Steindl

© Andreas Steindl

Aachener Domchor

Als ältester deutscher Knabenchor geht der Aachener Domchor auf die Hofschule Kaiser Karls des Großen, die „Schola Palatina“ zurück. Noch immer, über 1200 Jahre nach seiner Gründung, steht für den Chor die musikalische Gestaltung der Liturgie im Aachener Dom, der ehemaligen kaiserlichen Pfalzkapelle, im Mittelpunkt seiner Tätigkeit. Höhepunkte im künstlerischen Wirken des Chores sind die musikalische Gestaltung der Gottesdienste bei den Karlsfesten und den Heiligtumsfahrten, die regelmäßigen Aufführungen der Passionen von Johann Sebastian Bach zwei Wochen vor Ostern und die großen chorsinfonischen Werke in der sogenannten Oktobermusik, die seit 1945 jährlich in Dankbarkeit an das Kriegsende in Aachener erinnert.

Eine eigene, vom Domkapitel getragene Grundschule für Jungen und Mädchen bildet die Basis für die Nachwuchsgewinnung des Chores.

Der Domchor gestaltet jährlich etwa 50 Gottesdienste und Konzerte im Hohen Dom. Darüber hinaus ist der Chor auch in vielen Kirchen des Bistums Aachen und der angrenzenden Diözesen zu Gast.

Konzertreisen führten den Chor in den letzten Jahren in die Schweiz, nach Italien, Südkorea, Spanien, auf den Balkan, Südafrika und Malta. Im Oktober 2016 reiste der Chor nach Brasilien.

Besondere Höhepunkte stellen die Mitwirkung des Domchores bei den Karlspreis-Verleihungen der Stadt Aachen an Papst Johannes Paul II 2004 und an Papst Franziskus 2016 in Rom dar.

Der Aachener Domchor pflegt weit über die europäischen Grenzen hinweg einen regen Austausch mit renommierten Knaben- und Jugendchören. Für diese kulturpolitische Tätigkeit erhielt der Domchor 2013 zusammen mit dem Jugendchor „Svonky“ Prag den Aachener Kulturpreis: die Kaiser Karl IV. Medaille.

 

Die Leitung des Chores hat seit dem Jahr 2000 Domkapellmeister Berthold Botzet.

Mädchenchor am Aachener Dom

Der Mädchenchor am Aachener Dom ist das jüngste Ensemble in der Familie der Dommusik.

Er wurde vom Aachener Domkapitel am 28. Mai 2011 mit einem eindrucksvollen Gottesdienst gegründet. Seither widmen sich die jungen Sängerinnen auf vielversprechende Weise der Erarbeitung von Chormusik unterschiedlichster Stilistik; speziell abgestimmt auf die musikalische Gestaltung der Liturgie im Hohen Dom. Dies sehen die Mädchen als ihre wichtigste Aufgabe an.

Darüber hinaus absolvieren sie ein stetig wachsendes Konzertprogramm in Aachen und der näheren und weiteren Umgebung, wie etwa die Aufführung des „Stabat mater“ von Carl Joseph Rodewald 2014.

Die bisher weiteste Reise führte den Mädchenchor im Februar 2015 nach London. Hier waren sie die ersten Mädchen seit über 500 Jahren, die in der renommierten Templechurch den Sonntagsgottesdienst musikalisch mitgestalteten.

Kontakte und Partnerschaften u.a. nach Reims, Kiev und Sydney inspirieren die Arbeit der etwa 70 Mädchen, die momentan im Mädchenchor singen. Die musikalischen Grundlagen dafür haben sie sich während ihrer Grundschulzeit auf der Aachener Domsingschule erarbeitet.

Die Leitung des Chores hat Domkantor Marco Fühner.

Vokalensemble Aachener Dom

Das Vokalensemble Aachener Dom ist eine Chorgruppe, flexibel in der Besetzung mit 16 bis 24 Sängerinnen und Sängern, die projektbezogen mit Domkapellmeister Berthold Botzet arbeitet.

Inzwischen hat der Chor meist mehrchörige Werke u. a. von Monteverdi, Hassler, Lassus, Magnon, Bach und vielen zeitgenössischen Komponisten in seinem Repertoire.

Hauptsächlich singt das Vokalensemble in Gottesdiensten und Konzerten, die eine gewisse Flexibilität in der musikalischen Gestaltung voraussetzen und im „Dienstumfang“ des Domchores und des Mädchenchores nicht mehr aufzunehmen sind, dennoch zu den „Repräsentationspflichten“ der Dommusik gehören. Hierbei sind primär die Weihegottesdienste zu nennen, Priester- und Diakonenweihen, aber auch die vielen Sondergottesdienste kirchlicher Verbände, der Missionswerke und des Bistums.

Konzertant trat das Vokalensemble erstmalig 2007 auf. Aufgeführt wurde im Rahmen der Konzerte zur Heiligtumsfahrt „Der Messias“ von Georg Friedrich Händel. Es folgten 2008 das Jubiläumskonzert für die Pax-Bank Aachen, 2009 zu den Feierlichkeiten 350 Jahre Aachener Domglocken das Oratorium „Das Lied von der Glocke“ von Andreas Romberg, Allerseelen 2010 „Der Totentanz“ von Hugo Distler und 2011 zur 2. Aachener Chorbiennale die „Missa Matris Dei“ des neuzeitlichen Engländers Francis Jackson.

Zusammen mit dem Mädchenchor am Aachener Dom erfolgte im Jubiläumskarlsfest 2014 eine Uraufführung der „Seligpreisungen“ von Klaus Wallrath. Im gleichen Jahr wie auch in einem Konzert im Februar 2015 erklang in Begleitung des Dombläserensembles die Messe von Igor Strawinsky.

Aachener Domorchester

Das Aachener Domorchester begleitet seit vielen Jahren die Chöre der Dommusik bei den großen Orchestermessen, die vor allem an den hohen Festtagen erklingen.

Die Besetzung dieses Orchesters ist entsprechend der Musik variabel und reicht von einer reinen Streicher- bis hin zu einer großen sinfonischen Besetzung.

Die Musiker des Domorchesters, wie auch des Dombläserensembles, sind überwiegend Mitglieder des Aachener Sinfonieorchesters, mit dem die Dommusik seit Jahrzehnten eine sehr enge und erfolgreiche Zusammenarbeit pflegt.

Das Karlsfest im Januar, wie auch die sogenannte Oktobermusik, die jährlich an die Befreiung Aachens 1944 erinnert, stehen fest im Spielplan des Sinfonieorchesters.

Somit ist auch das Domorchester den Chören der Dommusik ein homogener, aber auch ein sehr flexibler Klangpartner, wie die Aufführungen der Harmoniemesse von Joseph Haydn, der Es-Dur Messe von Franz Schubert, dem noch wenig bekannten Stabat Mater von Carl Josef Rodewald, dem Te Deum von Anton Bruckner und der Messe von Igor Strawinsky zuletzt zeigen konnten.

Konzertant ist das Orchester erstmalig im Jahr 2013 mit den drei Violinkonzerten von Bach im Dom zu hören gewesen. Auch in das Abschlusskonzert der letzten Heiligtumsfahrt und in ein Konzert an Allerseelen 2014 war das Domorchester mit jeweils drei Bachkantaten eingebunden. Zusammen mit den Aachener Domchor erklangen im Februar 2015 im einem Konzert im St. Vitusmünster Mönchengladbach Bruckners f-Moll Messe und das Te Deum.

Konzertmeister des Orchesters ist Prof. Skerdjano Keraj.

Aachener Dombläser

Im Aachener Dombläserensemble musizieren vorwiegend Musiker aus dem Sinfonieorchester Aachen, wie auch hochqualifizierte Musiker aus Bonn, Köln, Wuppertal und der Euregio. Die Grundbesetzung von 2 Trompeten, 2 Posaunen, Tuba und Pauken wird der ausgewählten Musik entsprechend variiert und ergänzt.

Das Dombläserensemble gestaltet im Hohen Dom regelmäßig festliche Gottesdienste und wirkt auch im jährlichen Weihnachtskonzert des Domchores im Aachener Rathaus mit. Eine weitere herausragende Ausgabe des Ensembles ist die musikalische Umrahmung der großen Pilgergottesdienste während der Heiligtumsfahrt auf dem Katschhof.